Ist Engagement noch gewünscht?

Gar seltsame Blüten treibt die Bildungspolitik in Thüringen. Vor einigen Jahren wurden zur Stärkung der Mathematik und der Naturwissenschaften Stundenzahlen in diesen Fächern reduziert, beziehungsweise es fanden Zusammenfassungen der Naturwissenschaften zum Fach Mensch-Natur-Technik statt, für das es nicht einmal Lehrer gibt. Um diesen Tendenzen entgegen zu wirken, installierten wir mit viel Aufwand Angebote für Schüler wie „Anwendungen der Mathematik“ als Wahlpflichtfach oder „matheplus“. Nicht zuletzt deshalb wurden wir auch zweimal als MINT-Schule ausgezeichnet.

Gerade wird die Durchführung von Klassenfahrten erheblich erschwert, wo es doch gerade diese Fahrten sind, die im Bereich Sozialkompetenz Schüler wesentlich weiter voranbringen können als jeder Unterricht in der Schule. Und auch in diesen Tagen wurde die Genehmigung meines Lehrplanes für das Fach „Anwendungen der Mathematik“ erstmal ausgesetzt. Begründung: In den einzelnen Modulen seien zu wenig Aussagen über Sozialkompetenz und Selbstkompetenz der Schüler getroffen. In den umfangreichen Vorbemerkungen habe ich dies sehr wohl getan. Der Hinweis, dass diese Kompetenzen sich durch alle Module des Lehrplanes ziehen und deshalb nicht noch einmal gesondert erwähnt werden, der für drei Jahre durchaus reichte, scheint nun nicht mehr zu genügen.

Andererseits gibt es auch gerade jetzt an unserer Schule mehr als 30 Schüler der 8. Klassen, die das Fach für die nächsten zwei Jahre belegen möchten. Wenn ich mich nicht noch einmal hinsetze und den Lehrplan ein viertes Mal überarbeite, wird es das Fach nicht mehr geben und diese Schüler enttäuscht sein. Und wenn ich mich doch hinsetze und diese Kompetenzen in alle Module einarbeite, weiß ich noch lange nicht, ob sich dieser Aufwand auszahlt und der Plan dann endlich unbefristet genehmigt wird. Dabei gäbe es so viele andere Dinge zu tun.

Was will man eigentlich mit einer solchen Politik erreichen? Warum werden engagierten Personen immer und immer wieder Steine in den Weg gelegt? Möchte man überhaupt noch, dass sich jemand engagiert? Zu einer besseren Bildung unserer Kinder führen solche Entscheidungen sicherlich nicht. Seit Jahren wird eine verbesserte Bildungspolitik gefordert und versprochen. An den Schulen (zumindest den Gymnasien in Thüringen) merkt man davon nichts. Im Gegenteil:  Jede Veränderung in den letzten Jahren erzeugte mehr Frust, mehr Bürokratie und mehr Stress für alle Beteiligten.